Im März 2019 bin ich im Borussiapark und verfolge das Spiel Borussia Mönchengladbach gegen den SC Freiburg. Ich trage eine schwarze Wollmütze mit Gladbach-Wappen, einen grünen Anorak und einen grün-weißen Gladbachschal. Hinter mir sind andere Fans zu sehen.

Am 1. August 1900 wurde der VfL Borussia Mönchengladbach 1900 e. V. gegründet und feiert somit heute seinen 125. Geburtstag. In diesem Artikel nehme ich euch mit in die Geschichte des Vereins und erzähle euch, wie ich sie erlebt habe.

Der Rekordsieg

Am 29. April 1978 saß der kleine Erik auf dem Sofa und freute sich unbändig. Die Sportschau sendete das Spiel Borussia Mönchengladbach gegen Borussia Dortmund und sein Verein schoss ein Tor nach dem anderen. Sechs in der ersten Halbzeit, sechs in der zweiten. Ein Wahnsinnsspiel. Was der kleine Junge damals nicht wusste. Es reichte nicht. Trotz der geschossenen zwölf Tore fehlten noch drei. Der 1. FC Köln wurde an diesem Tag dank des besseren Torverhältnisses Deutscher Meister.

47 Jahre Gladbachfan

Das ist meine erste Erinnerung an ein Fußballspiel meiner Gladbacher. Die Erzählung sagt zwei Dinge über mich aus. Zum einen bin ich seit über 47 Jahren Gladbachfan und zum anderen habe ich die besten Zeiten der Borussia verpasst. Als Borussia Mönchengladbach 1960 zum ersten Mal Pokalsieger wurde und als sie 1965 in die Fußball-Bundesliga aufstiegen, gab es mich noch nicht. Bei den fünf Deutschen Meisterschaften in den Jahren 1970, 1971, 1975, 1976 und 1977 war ich noch kein Gladbachfan. Genauso wenig wie bei dem historischen zweiten Pokalsieg 1973 als sich Günter Netzer selbst einwechselte und das entscheidende Tor schoss.

Deshalb habe ich auch den ersten UEFA-Cup-Sieg 1975 verpasst. Leider auch den zweiten Titel, vier Jahre später. Da war ich zwar schon Gladbachfan. Ich habe aber überhaupt keine Erinnerung an das Spiel. Ich verpasste auch weitere historische Momente wie den Büchsenwurf und den Pfostenbruch.

Ein Blick auf den Borussiapark vor dem Spiel Borussia Mönchengladbach gegen den FC Bayern München. Auf ist das Maskottchen Jünter zu sehen und einige Gladbacher Spieler spielen sich warm. Die Nordkurve ist voll besetzt und es werden zahlreiche Fahnen geschwenkt. Am Spielfeldrand sehen Journalisten und Betreuer.
Vor dem Spiel Borussia Mönchengladbach gegen Bayern München im Oktober 2014 (Endergebnis 0:0)

Tragische Momente

Dafür erlebte ich viele tragische Momente. 1980 stand Borussia Mönchengladbach wieder im UEFA-Pokal-Finale. Das Spiel habe ich gesehen und musste miterleben, wie meine Gladbacher gegen Eintracht Frankfurt verloren.

Im Pokalfinale 1984 führte meine Borussia bis zur 83. Minute. Dann schoss Bayern München den Ausgleich. Im Elfmeterschießen verschoss mein Lieblingsspieler Lothar Matthäus einen Elfmeter und wechselte danach zu den Bayern.

Im November 1985 sah ich, wie meine Borussia im UEFA-Cup-Achtelfinale Real Madrid mit 5:1 aus dem Stadion schossen. 14 Tage später hörte ich am Radio mit (das Spiel wurde nicht live im Fernsehen übertragen!), wie sie 4:0 in Madrid verloren und damit ausgeschieden waren.

1992 hatte Uwe Kamps im DFB-Pokal-Halbfinale gegen Bayer Leverkusen vier Elfmeter gehalten. Das Endspiel verlor Borussia Mönchengladbach aber im Elfmeterschießen gegen den Zweitligisten Hannover 96.

Eine Szene im Borussiapark während des Spiels Borussia Mönchengladbach gegen den FC Schalke 04. Fast alle Spieler stehen im Mittelkreis. Der Schalker Torhüter ist bereit zum Abstoß. Auf der Anzeigetafel steht der Spielstand 0:0.
Im März 2017 beim Spiel Borussia Mönchengladbach – Schalke 04 (Endergebnis 4:2)

Große Siege

Drei Jahre später war es dann so weit. Ich erlebte meinen ersten großen Titel als Gladbachfan. Meine Borussia gewann mit Uwe Kamps, Stefan Effenberg und Heiko Herrlich das Pokalfinale 1995 mit 3:0 gegen den VfL Wolfsburg. An der Seitenlinie stand damals Bernd Krauss. Auch wenn das viele Borussenfans vielleicht anders sehen, war er für mich einer der besten Trainer, den wir hatten.

Den 14. Oktober 1995 werden vielleicht nicht alle Gladbachfans in Erinnerung behalten haben. Für mich war es aber ein besonderer Tag. Zum ersten Mal nach 30 Jahren gemeinsamer Bundesligazugehörigkeit gewann Borussia Mönchengladbach ein Auswärtsspiel bei Bayern München. Stefan Effenberg machte nach dem 2:1 Liegestütze. Ich nahm das Spiel auf Video auf und sah es mir danach noch des Öfteren an.

Ein echtes Highlight war für mich die Ära Lucien Favre. 2011 übernahm er in einer fast ausweglosen Situation das Kommando und qualifizierte sich mit der Borussia noch für die Relegation. Dort setzten wir uns knapp gegen den VfL Bochum durch. In der übernächsten Saison spielten wir Europa League und ich war im Oktober 2012 im Stadion dabei, als wir 2:0 gegen Olympique Marseille gewannen.

2020 qualifizierten wir uns für die Champions League. Im letzten Gruppenspiel verloren wir 2:0 in Madrid. Jetzt war Zittern angesagt, denn im anderen Spiel zwischen Inter Mailand und Schachtar Donezk stand es 0:0. Keines der beiden Teams durfte ein Tor schießen. Die Gladbacher Spieler standen vor den Monitoren und beobachteten die letzten Minuten des Spiels. Am Ende blieb es beim Unentschieden und wir qualifizierten uns für das Achtelfinale.

2021 gewannen wir in der 2. Pokalrunde mit 5:0 gegen Bayern München. Breel Embolo und Ramy Bensebaini schossen jeweils zwei Tore.

Ein Blick auf den Borussiapark vor dem Spiel Borussia Mönchengladbach gegen den SC Freiburg. Auf dem Spielfeld liegen einige Bälle herum und drei Spieler spielen sich warm. Das Stadion ist noch halbleer. Auf der Tribüne ist der Schriftzug Borussia zu lesen.
Der Borussiapark im März 2019 vor dem Spiel gegen den SC Freiburg (Endergebnis 1:1)

Der schlimmste Moment

Der schlimmste Moment war für mich der 30. Mai 1999. An dem Tag stiegen wir sang- und klanglos ab. Es hatte sich schon die Wochen vorher angedeutet, aber jetzt war es endgültig. Nach über 30 Jahren Bundesligazugehörigkeit stiegen wir zum ersten Mal ab. Ich nahm mir vor, Mitglied zu werden, falls wir wieder aufsteigen würden. Den direkten Wiederaufstieg verpassten wir, aber am 20. Mai 2001 verließen wir die ungeliebte Zweite Bundesliga wieder nach oben. Kurz danach löste ich mein mir selbst gegebenes Versprechen ein und wurde Mitglied.

Borussias Spieler

Nachdem Frank Mill 1986 zur anderen Borussia nach Dortmund gewechselt war, hatte ich keinen Lieblingsspieler mehr. Ab diesem Zeitpunkt stand für mich der Verein Borussia Mönchengladbach im Vordergrund und ich weinte keinem Spieler mehr hinterher, der den Club verließ. Trotzdem sind mir natürlich viele Spieler in guter Erinnerung geblieben.

In den 1980er Jahren waren neben den bereits erwähnten Lothar Matthäus und Frank Mill vor allem Hans-Günther Bruns, Wilfried Hannes, Kai-Erik Herlovsen und Uwe Rahn meine Helden. In den 1990er Jahren waren es Uwe Kamps, Stefan Effenberg und Martin Dahlin. In den sportlich nicht so erfolgreichen 2000er Jahren stehen für mich Fußballgott Igor Demo und Oliver Neuville im Vordergrund. Aus dem vergangenen Jahrzehnt sind mir Dante, unser Weltmeister Chris Kramer, der unglaubliche Yann Sommer und Marco Reus in Erinnerung geblieben.

Auch an die vielen tollen Freistöße von Thomas Kastenmaier und Juan Arango erinnere ich mich gerne zurück.

125 Jahre Borussia Mönchengladbach

125 Jahre bist du heute alt geworden. Momentan ist der Lack vielleicht etwas ab und du stehst meist im Mittelfeld der Tabelle. Aber ich bin mir sicher, irgendwann wirst du wie ein Phönix aus der Asche aufsteigen und im Europapokal mitspielen. Dann wirst du wieder in vollem Glanz erstrahlen. Und ganz vielleicht kann ich auch einen weiteren Titel miterleben. Aber egal, wie es in der Zukunft läuft. Mein Herz ist schwarz-weiß-grün, und ich bleibe dir treu.

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Von Erik

2 Gedanken zu „Happy Birthday, Borussia“
  1. Danke für den Beitrag. Schöne Erinnerungen, „schmerzhafte“ Momente- ach ja. Ich bin auch ewig Fan, Jünter mein Idol, aber in den letzten Jahren war bei mir die Luft etwas raus. Hoffentlich hast Du mit Deiner Prognose Recht.
    Grüße aus Darmstadt

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