Über Jahrzehnte hinweg hatten die Aldi-Kassiererinnen einen exzellenten Ruf. Sie wussten alle Preise auswendig und in keinem anderen Supermarkt wurden sie so schnell eingetippt wie bei Feinkost Albrecht.
Dann kamen die Scannerkassen. Die verkauften Artikel landeten direkt im Warenwirtschaftssystem. Das Kassieren dauerte dadurch zwar etwas länger, aber die Aldi-Kunden wurden natürlich nicht nach ihrer Meinung gefragt.
Inzwischen scannen nicht mehr die geschulten Verkäuferinnen, sondern die ahnungslosen, aber gutwilligen Kunden.
Heute beim Aldi
Vor steht mir eine Frau mit 30 Artikeln. Einer nach dem anderen wird eingescannt. Die Aldi-Kassiererin greift nach dem letzten Artikel, da ruft ein Mann an einer Selbst-Scanner-Kasse um Hilfe. Sie hört sofort auf zu arbeiten. Der etwa vierzigjährige Mann wirft einen hilflosen Blick zur Kassiererin und stellt fest:
„Ich kann die Süßkartoffeln nicht einscannen.“
„Tippen Sie in die Suche ‚Süß‘ ein.“
„Die Süßkartoffeln werden nicht angezeigt.“
„Gehen Sie ganz zum Anfang zurück.“
„Okay, habe ich gemacht.“
„Tippen Sie die 12 ein.“
Der Kunde tut, was ihm die Kassiererin zugerufen hat. Die Süßkartoffeln erscheinen in der Anzeige. Die Aldi-Kassiererin hält immer noch die Hand auf dem letzten Artikel der Kundin vor mir. Aber jetzt kann es ja endlich weitergehen. Dachte ich jedenfalls.
Der Blick der Kassiererin fällt auf den Selbst-Scanner-Platz neben dem Mann mit den Süßkartoffeln. Dort steht eine 70-jährige Frau mit zwei Weinflaschen und einem Brokkoli.
„Nehmen Sie die Weinflasche von der Waage.“
„Gut, und jetzt den Barcode scannen.“
Die Frau scannt die Weinflasche und löst den Bezahlvorgang aus.
„Warum haben Sie nur eine Weinflasche bezahlt?“
„Ich dachte, ich müsste jeden Artikel einzeln bezahlen.“
Okay, die ältere Frau hat jetzt verstanden, wie das Selbstscannen funktioniert. Der letzte Artikel der Kundin vor mir wird endlich von der Kassiererin eingescannt und weitergeschoben.
Jetzt bin ich an der Reihe. Meine Artikel werden eingescannt und ich bezahle. Als ich meine Waren einpacke, kommt ein anderer Mann zur Kassiererin und sagt:
„Ich habe vergessen, meine Einkaufstüte einzuscannen.“
Ich bin zum Glück jetzt fertig und kann diesen nervtötenden Ort verlassen.
Die eindeutige Botschaft
Ich mache den Aldi-Kassiererinnen keinen Vorwurf. Sie haben einen nervenaufreibenden Job und geben ihr Bestes. Sie setzen nur das um, was ihnen ihr Filialleiter vorgibt. Aber die Botschaft ist eindeutig. Die Selbst-Scanner haben absolute Priorität. Die Kunden an der Kasse müssen so lange warten bis diese alle Handgriffe ausführlich erklärt bekommen haben.
Ich würde ja in einem anderen Supermarkt einkaufen, aber leider gibt es diese Selbst-Scanner-Kassen inzwischen in allen Geschäften 😕
Bildquelle: Das Bild wurde mit dem KI-Generator Perplexity.ai erstellt.

kleiner, pingeliger Hinweis: Die Aldi-Damen früher hatten nicht alle Preise im Kopf sondern alle Artikelnummern 😉
Zu den SB-Scannern: Bei unserem Lidl werden die eher weniger benutzt und wenn dann nicht von alten Leuten…. aber das ist der Lauf der Dinge, wie es scheint.
Ich glaube, das kommt darauf an, wie lange die Erinnerung zurück geht. Bis Anfang der 1980er Jahre wurden die Preise eingetippt. Es mag sein, dass sich das später geändert hat.
„… Bei unserem Lidl werden die eher weniger benutzt und wenn dann nicht von alten Leuten….aber das ist der Lauf der Dinge, wie es scheint.“
Diese Erfahrung habe ich auch gemacht. Im Übrigen denke ich, dass SB-Scanner in absehbarer Zukunft nicht nur ALDI-Kassiererinnen überflüssig machen.
Ich hab immer gestaunt, wie sicher und schnell die Aldikassiererinnen die Preise oder Artikelnummern, was auch immer, in die Kasse eingetippt hatten. Und das überwiegend fehlerfrei.
Die Selfscanner-Kassen werden glaube ich in Zukunft die Regel sein. Auch die in diesem Zusammenhang zunehmende Überwachung der Kunden wird immer ausgefeilter. Ich hatte da mal einen Artikel gelesen, weiß aber leider nicht mehr genau wo, da wird einem schon ein wenig anders.
Von Selbstscanner-Kassen halte ich absolut nichts.