Das Terbo-Modem

Bild zum Artikel Das Terbo-Modem. Ein junger Mann sitzt vor einem Röhrenmonitor. Seine Hände liegen auf der Tastatur. Links von ihm steht ein Modem auf dem Tisch, das mit der Telefonsteckdose verbunden ist. Cartoonstyle
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Alle, die nach 1980 geboren wurden, sollten jetzt das Lesen einstellen. Das Gleiche gilt für alle, die denken, dass ich im Titel das Wort Terbo-Modem falsch geschrieben habe. Nein, es muss nicht Turbo-Modem heißen. In diesem Artikel geht es um die Zeit Anfang der 1990er Jahre. Das ist mein Beitrag zum Blogwochen-Thema Von Usenet bis Webforen – Die Vorläufer des Blogs.

Mein Amiga 500

1988 wohnte ich noch bei meinen Eltern. Die waren Computern gegenüber sehr skeptisch eingestellt. Sie wären nie auf die Idee gekommen, mir ein solches Gerät zu kaufen. Ende 1988 bestellte ich mir beim Versandhaus Quelle von meinem Azubi-Gehalt einen Amiga 500. Zusammen mit einem Philips CM 8833-Monitor. Der sollte irgendwie besser sein als der Commodore 1084, den die meisten anderen hatten. Wenn ich mich richtig erinnere habe ich für den Amiga und den Monitor 1.500 DM bezahlt.

Ich gab damals richtig viel Geld für mein Computer-Hobby aus. Während die meisten anderen nur einen 9-Nadel-Drucker hatten, kaufte ich mir 1990 für 1.100 DM den Citizen Swift 24. Das war ein 24-Nadel-Farbdrucker. Der kam neu auf den Markt, machte einen Höllenlärm, druckte aber für damalige Verhältnisse tolle Farbbilder.

Später kaufte ich mir noch eine 52-MB-Festplatte. Von Quantum natürlich. Die Seagate-Platten taugten ja nichts. Die Festplatte kostete 500 Mark. Den gleichen Betrag musste ich noch für den benötigten Controller hinlegen.

Meine Mailbox-Zeit

Anfang der 1990er Jahre las ich im Amiga-Magazin einen Artikel über DFÜ (Datenfernübertragung) und dass man dafür ein Modem bräuchte. Mein Kinderzimmer lag im Erdgeschoss und unser einziger Telefonanschluss war im 1. Stock neben dem Schlafzimmer meiner Eltern. Da war es natürlich undenkbar, dass ich diesen für DFÜ nutzte.

Drei Jahre später hatte ich meine eigene Wohnung und kaufte mir ein Modem mit einer Geschwindigkeit von 9600 bps. Anfangs war ich nur in Mailboxen unterwegs und lud mir Public-Domain-Software (so eine Art Vorläufer von Freeware) für meinen Amiga herunter.

Die ersten Netze

Dann erzählte mir ein Mailbox-Betreiber von einem Point, den ich für 7 DM im Monat bei ihm einrichten könnte. Über diesen Point konnte ich Beiträge aus verschiedenen Netzen bestellen, gesammelt herunterladen und danach offline lesen. Meine Antworten darauf lud ich später hoch und konnte wieder neue Nachrichten herunterladen.

Ich war damals in verschiedenen Netzen unterwegs. Da gab es das sehr beliebte Z-Netz, das freie T-Netz, das Fido-Net, das Usenet und noch viele andere. Mit der Amiga-Software Microdot konnte ich meinen Point verwalten und war in all diesen Netzen unterwegs.

Den Point bezog ich über die saarländische Grönland-Mailbox. Dort lernte ich Gleichgesinnte kennen und wir trafen uns auch alle paar Monate in einem Restaurant, um uns persönlich kennenzulernen. Natürlich waren nur Männer anwesend. Frauen wollten damals nichts mit Computern tun zu haben. Bis auf einen PC-User hatten wir alle einen Amiga.

Da der Betreiber der Mailbox in einer Druckerei arbeitete, gab es auch eine Offline-Zeitung. Dort veröffentlichte ich einen ARexx-Kurs.

Das Terbo-Modem

Die anderen User der Mailbox hatten zum größten Teil ein 14400er-Modem, waren also deutlich schneller als ich unterwegs. Ein bisschen störte mich das schon, zumal ich auch öfters damit aufgezogen wurde, dass ich die Leitung blockieren würde.

1994 besuchte ich die Amiga-Messe in Köln. Dort wurde ein Terbo-Modem vorgestellt. Mit einer Geschwindigkeit von 19200 bps war es superschnell. Nach der Messe kaufte ich es mir für 350 DM. Es war schwarz und hatte auf der Vorderseite große rote LEDs. Ich war sehr stolz auf mein Terbo-Modem. Bis mir auffiel, dass fast alle Mailboxen in meiner Nähe mit einem 14400er-Modem betrieben wurden. Ich konnte die hohe Geschwindigkeit meines Terbo-Modems also nicht ausnutzen und war auch nur mit 14400 bps unterwegs.

Einige Monate später kamen neue Modems mit einer Geschwindigkeit von 28800 bps auf dem Markt. Nach und nach kauften sich alle User in meinem Umkreis die neue Technik. Auch die Mailboxen wurden damit betrieben. Mit meinem Terbo-Modem war ich wieder langsamer als die anderen.

Zwei Jahre später war aber alles egal. Da rauchte der von uns gemeinsam finanzierte Mailbox-Server, ein Amiga 4000, ab. Die Zeit der vielen Netze war sowieso vorbei. 1995 nahm ich an einer Vorführung teil, bei der ich das Internet kennenlernte. Im Vergleich dazu war das von mir zuvor genutzte Z-Netz einfach nicht mehr interessant genug.

Mein Rückblick

Das war mein Rückblick auf die 1990er, in der ich mit meinem Terbo-Modem in den Vorläufer-Netzen des Internets unterwegs war. In meinem privaten Umfeld wusste das aber kaum jemand. Wem hätte ich das auch erzählen sollen? Leute, die Modems nutzten, waren für Außenstehende alles Hacker, die in Netzwerke eindrangen und dort Daten stahlen. Dass es auch friedliche DFÜ-Nutzer gab, wusste damals kaum jemand.

Eins habe ich bei der Geschichte mit dem Terbo-Modem aber gelernt. Heute muss ich nicht immer sofort die neueste Technik haben. Ich warte lieber ein paar Monate, bis die Preise gesunken sind und die Kinderkrankheiten behoben wurden.

Die ersten Blogs

Ende der 1990er hörte ich das erste Mal von Menschen, die private Tagebücher im Internet veröffentlichten. Weblog nannten sie das. Das kam mir damals sehr seltsam vor. Ich war mir sicher. Sowas würde ich niemals machen 😄

Bildquelle: Das Bild wurde mit dem KI-Generator ChatGPT erstellt.

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7 Antworten zu „Das Terbo-Modem“

  1. Auch ich dachte, das Modem kann turbo. Da hab ich noch nie was von gehört. Aber wo warst Du, als es AOL-CDs gab? 😀

    1. Als es die AOL-CDs gab, hatte ich schon längst Internet. Ich war also schon drin 😉

  2. @seymour @blogissimo.de @blogissimo
    Langsam in Vergleich mit dem Internet heute 🤔
    Das mag mit Analog so gewesen sein, mit ISDN bauten sich die Mailboxseiten schneller auf als so manche Webseite heute

    Usertreffen – eine Zeit lang jedes Wochenende, wahlweise in unserer Userkneipe oder mit einer anderen Mailbox im Netzwerkcafe, wo so nebenbei noch Netzwerkspiele möglich waren.
    Alleine schon das persönliche Miteinander war wesentlich deutlicher als das mir heute normal erscheint

    1. @seymour @blogissimo.de @blogissimo

      Thema Frauen
      Da waren so einige und es gab auch manche Paarverknüpfehelichung – oder Eheverhinderung durch neu mischen der Zusammengehörigkeitsverhältnisse
      Frauen waren nicht unterrepräsentiert oder sowas
      Das was heute als queer daher kommt war auch schon anwesend

      Hachjaaaa
      Mein 19200-er ZyXel hab ich heute noch, ebenso die Teles-ISDN-Karte

  3. Ja, spannend war es auf jeden Fall. Ich hatte am Anfang ja überhaupt keine Ahnung von DFÜ. Nach und nach habe ich mir alles selbst beigebracht 😊

  4. Nachfolgend habe ich die Beiträge zum Thema „Von UseNet bis Webforen – Die Vorläufer des Blogs“ der BlogWochen 2025 gesammelt. Und wieder gibt es pro Artikel ein subjektiv ausgewähltes Textstück. Dirks Logbuch: Von UseNet bis Webforen –…

    WeiterlesenVon UseNet bis Webforen – Die Vorläufer des Blogs – ein erster Rückblick (BlogWochen 2025)